"Ein bißchen schneller könnte er sein..."
Wie der Rollstuhlfahrer Thomas Fauth Treppen steigt
von Annett Lukas
Wenn im Verwaltungsgebäude der Universität Karlsruhe ein kreischender Ton erklingt,ist Thomas Fauth gerade dabei,Treppen zu steigen. Der 33 jährige sitzt im Rollstuhl. Um von einem Geschoss ins nächste zu gelangen, benötigt er einen sogenannten Treppenkuli, der dieses Geräusch von sich gibt. Das Verwaltungsgebäude besitzt zwar einen Fahrstuhl, dieser hält jedoch nur auf den Zwischenetagen. Damit Thomas Fauth trotzdem seinen Arbeitsplatz im obersten Stockwerk in der Abteilung Planung, Controlling und Organisation erreichen kann, hat ihm das Arbeitsamt nach einer Besichtigung des Gebäudes den Treppenkuli finanziert.
Der Treppenkuli, oder die "Raupe", wie Thomas Fauth ihn nennt, fährt auf einer Gummikette, die sich bewegt wie Kettenräder eines Panzers. Um seinen Rollstuhl an dem Gerät zu befestigen, muss er ihn über der Gummikette positionieren. Danach kippt er den Rollstuhl soweit nach hinten, bis er auf der Lehne des Treppenkulis aufliegt, die mit dem Boden einen Winkel von circa 45 Grad bildet. In dieser Liegeposition – spezielle Sicherheitsvorkehrungen sorgen dafür, dass der Rollstuhl nicht abrutscht – kann Thomas Fauth das Gerät mit einem Hebel so einstellen, dass er sich entweder über die Gummikette der "Raupe" oder die Räder des Rollstuhls fortbewegt. "Wenn ich dann an die Treppe herangefahren bin, folgt der schwierigere Teil", erklärt Thomas Fauth. Um die Treppe hinunterzufahren, muss Thomas Fauth das Gerät so ansetzen, dass die eine Hälfte der Gummikette auf der obersten Stufe aufliegt und die andere Hälfte frei in der Luft hängt. Das Gerät mit dem befestigten Rollstuhl jetzt soweit nach vorn zu kippen, dass die ganze Schiene auf der Treppe aufliegt, sieht ganz schön gefährlich aus und "erfordert am Anfang ein wenig Mut", meint Thomas Fauth. Ebenso würde der ständige Blick auf die abfallende Treppe, sowohl beim Hoch- als auch beim Herunterfahren, beivielen Menschen Unbehagen hervorrufen. "Das ollte man besser schwindelfrei sein", sagt Thomas Fauth.
Nicht nur die "Raupe" bietet Thomas Fauth eine Erleichterung, sondern auch der Parkplatz im Ehrenhof, der eigens für ihn eingerichtet wurde. Wenn er sich einmal in einem anderen Gebäude der Universität bewegen muss, informiert er sich auf der Homepage der Universität, auf welchem Wege es für ihn begehbar ist. Eigentlich gibt es für Thomas Fauth keine Hindernisse, denn "sollte einmal ein Problem auftauchen", sagt er, "sind meine Kollegen immer zur Stelle." So auch als der Treppenkuli drei Tage nach seiner Lieferung mitten auf der Treppe stehenblieb, weil der Akku leer geworden war. Für Thomas Fauths Mitarbeiter war es ganz selbstverständlich, seinen Rollstuhl die Treppe hinauf zu tragen und den Treppenkuli in den Raum zu bringen, in dem sich das zugehörige Ladegerät befindet. Drei bis vier Tage kann Thomas Fauth die "Raupe" benutzen, bevor der Akku wieder geladen werden muss. Um Pannen vorzubeugen wird das Gerät jährlich gewartet.
In der Bedienung seiner "Raupe" ist Thomas Fauth inzwischen ein Perfektionist. Mit sicheren Griffen hat er sich blitzschnell gesichert und in Position gebracht. "Mit dem Treppenkuli bin ich einfach flexibel", sagt Thomas Fauth "nur ein bisschen schneller könnte er sein." |